engel links - teufel rechts


Engel links:
Nadine und ich, wir haben vieles gemeinsam.
Wir mögen Pommes, Pizza, Rotwein, das Münsterland, endlos lange Textnachrichten, Instagram und nicht zuletzt Triathlon. Eigentlich mögen wir davon am liebsten das Radfahren.
Wir wohnen an unterschiedlichen Orten, was es nicht leicht macht, mal eben eine gemeinsame Radausfahrt zu planen, aber wenn es dann endlich soweit ist, ist es einfach immer toll.

 

April 2017: Das Chaos nahm seinen Lauf. Nadine und ich hatten uns nur ein einziges Mal „live“ gesehen bei der Triathlon Convention Anfang des Jahres und dann relativ spontan beschlossen, ein ganzes Wochenende zusammen zu verbringen. Verrückt, aber es war eigentlich nur der Beginn einer noch verrückteren Zeit…

 

Juli 2017: Knapp 80km mit dem Rad quer durch´s Münsterland bei übelstem Wind und viel zu vielen Gesprächsthemen für viel zu wenig Zeit und viel zu wenig Luft.
Ich hab Sie hinter mir schimpfen und schnaufen hören, die Motivation im Keller und die Beine müde. Ihre erste Mitteldistanz hat Sie so oft in Frage gestellt. Ob das überhaupt Sinn macht, ob Sie das schafft und so weiter….Das Genörgel schien nicht aufhören zu wollen…

 

August 2017: Allgäu Triathlon. Mit Tränen in den Augen und Wut im Bauch hat Nadine sich über die letzten Meter der Laufstrecke gekämpft. Und ich war sooo stolz auf Sie, dass Sie es durchgezogen hat und nicht ausgestiegen ist…. Und sooo dankbar, dass Sie in der Notaufnahme mit mir gehockt und den ersten Knochenmarksödem-Frust abgefangen hat!
Da wusste ich noch nicht, dass wir eines nicht gemeinsam haben: Durchhaltevermögen.

 

Januar 2018: Endlich ist Nadine auch ein Teil von Racing Aloha. Die gemeinsame Triathlon-Party kann (theoretisch) losgehen!

 

Mai 2018: Knapp 30km mit dem Rad in Bad Homburg bei übelstem Wind und viel zu vielen Gesprächsthemen für viel zu wenig Zeit und viel zu wenig Luft.
Ich höre mich hinter Ihr schimpfen und schnaufen, die Motivation im Keller und die Beine müde….
Das Genörgel schien nicht aufhören zu wollen…

So schnell ändern sich die Zeiten, innerhalb nur eines Jahres! Es ist Wahnsinn, wie die Zeit rast, wie viel man durch einen Sport erleben und entdecken kann und wie viel sich durch koordiniertes Training verändert! ;-)

Seit wir vor nun knapp zwei Wochen zusammen mal wieder auf dem Rad unterwegs waren, sind die Gedanken in meinem Kopf wieder da:
Klappt doch noch ein Triathlon in diesem Jahr? Macht es Sinn? Macht es Spaß? Ist der Fuß schon so weit?

 

Teufel rechts:
Es mag verrückt klingen, aber meine Gedanken entwickeln bei dem Thema Triathlon immer ein absolutes Eigenleben. Der eine Teil streitet mit dem anderen über alle Pros und Kontras. Die Kontras überwiegen. Zu lange nicht trainiert, zu viel gegessen. Zu viel verletzt gewesen. Und zu viel Angst.
Wovor?
Das kann oder will ich mir noch nicht so genau eingestehen. Aber so ist es. Die Tatsache vielleicht mit dem Wunsch eine Langdistanz zu bestreiten etwas zu hoch gepokert zu haben, hat mich gefühlt um Jahre zurückgeworfen. Und doch stehe ich am 1. Juli in Roth wieder mit leuchtenden Augen am Kanal und bewundere all die Athleten, die so lange und so hart für Ihren Traum gekämpft haben.

 

Und ärgere mich, über diese eine Charaktereigenschaft, die Nadine und mich unterscheidet. Durchhaltevermögen. Hätte ich auch nur ein bisschen mehr davon, wäre vielleicht alles anders gekommen. Ich hätte nicht den Kopf in den Sand gesteckt und das Training komplett wegignoriert, ich hätte in der Verletzungspause wenigstens Schwimmen und Radfahren gehen können, ich hätte, ich hätte, ich hätte… Hab ich aber nicht.

Heute Morgen habe ich dafür gelesen, dass der Mensch Gewohnheiten nach 21 Tagen automatisiert.
Machst Du also 21 Tage jeden Morgen ordentlich dein Bett wird es ab Tag 22 zur Routine.


Vielleicht klappt das auch mit dem Training.

Was sind schon 21 Tage gegenüber einem lebenslangen Engel-links und Teufel-rechts Gespräch, vielleicht etwas verpasst zu haben, wenn man den Triathloneinteiler an den Nägel hängt…...