Tor-Tour de Hörstel

Teil 2

Sonntagmorgen 09:40 ging es weiter auf der Tour Richtung Münsterland.


Natürlich erst, nachdem wir im Hotel ein tolles Frühstück genossen haben. Die Fahrräder durften über Nacht in der Hoteleigenen Garage gelagert werden. Das war wirklich nett.
Wie gesagt, um 9:40 ging es also weiter; natürlich Bergauf, denn die 15,5 Kilometer, die gestern nicht mehr gefahren wurden, galt es heute Morgen direkt als erstes zu bewältigen.
Kaum hat sich der Po wieder an das Radfahren gewöhnt, waren wir auch schon oben. Da es anfing zu regnen wurde diese Phase bei einem Cappuccino im Mc Donalds überbrückt. Und weiter ging es: Berg runter, durch einen Tunnel, das war toll, echt ein Wahnsinns Erlebnis.

Und so radelten wir immer weiter… das Schöne an diesem Tag war, dass wir nach Winterberg die Berge hinter uns gelassen haben und es eigentlich nur noch wellig war, lediglich zwischen Olsberg und Brilon ging es nochmal n bisschen steiler Berg hoch.


Da die Navigation am Vortag nicht so berauschend war entschieden wir uns zu einer alten Form der Navigation zurück zu kehren:

Auf Google den nächst größten Ort suchen und den Schildern entsprechend folgen. So kam es dann auch, dass man sich überwiegend auf Landstraßen befand, auf denen war aber kaum was los. Auch mit Autos gab es bis auf zwei Mal Gehupe überhaupt keine Probleme, anscheinend waren an dem Wochenende die meisten Menschen anderweitig beschäftigt. Gut für uns

 

Bis Lippstadt waren es etwas mehr als 70 Kilometer von Winterberg aus und dort machten wir die größere Pause, die war auch bitter nötig für den Po 😉
Während wir Nudeln aßen und Waffeln mit Eis und bunten Streuseln überlegten wir, ob es Sinn macht bis nach Hörstel durch zu fahren oder nicht, es wären immerhin noch ca. 90 Kilometer, das mit den Kilometern vom Vortag in den Beinen schien eigentlich nicht sonderlich sinnig. Dennoch hatte ich die Vorstellung im Kopf die Tour in zwei anstatt drei Tagen zu schaffen. Wir fuhren also einfach erstmal weiter und vertagten die Entscheidung auf später.

Weiter ging es also. Die Strecke lag mir, es wurde immer flacher und der Wind meinte es auch gut mit uns, so konnten wir wirklich viele viele Kilometer sammeln. Nichts desto trotz war da ja noch die Sache mit dem Rucksack und den merkte ich immer mehr, am Po, aber auch am Rücken und im Nacken. Immer wieder musste ich kurz anhalten und meinen Körper entlasten. Von Lippstadt ging es zunächst über Rheda-Wiedenbrück nach Warenburg, weiter nach Ostbevern. Hier machten wir wieder Pause, in einer kleinen Pommesbude in der Nähe vom Kreisel. Ich muss ja sagen, sowas vermisse ich hier in Frankfurt wirklich. Eine einfache total normale Pommesbude. Ich hatte eine Pommes mit Mayo und ein Hotdog (bei uns wird das Hotdog mit Frikandel gemacht) und meine Begleitung hatte ein halbes Hähnchen mit Kroketten. Eigentlich echt nicht so das Essen, was man während einer Radtour essen sollte, vor allem, weil wir bei unserem ersten Halt ja bereits jeder eine große Portion Nudeln hatten inkl. der oben genannten Waffel, aber wir hatten Bock drauf.

 

Nun kam der Punkt, wo eine Entscheidung her musste: 155 Kilometer waren bereits gefahren, 40 liegen somit noch vor mir…also, hier bleiben und eine Unterkunft suchen, oder durchfahren.
Die 155 Kilometer waren bereits eine riesen Leistung für mich, meine bis dato weiteste Strecke aber was solls, wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann wird das auch durchgezogen und was sind schon 40 Kilometer, also bitte ‚reiß dich mal zusammen Nadine‘: rauf aufs Rad und weiter geht’s

Ladbergen, Flughafen Münster Osnabrück, Saerbeck und der Saerbecker Damm joa…dieser Saerbecker Damm, das war die Strecke, vor der mich mein Bruder bereits einige Male warnte, denn diese Allee (so schön sie auch ist) hat so ihre Tücken. Sie ist eine der Straßen, die man fährt und sich denkt ‚gleich habe ich es geschafft, da vorne noch und dann ist das Ende da‘, wenn du allerdings dies „Ende“ erreicht hast, stellst Du mit Erschrecken fest, dass du ein ganzes Teilstück vergessen hast. Einfach ausgeblendet in Deiner Vorstellung bzw. Erinnerung. Und genau so war es an diesem Sonntag. Ich fuhr voller Euphorie diese Allee entlang, um nach der Kurve erschreckend festzustellen, dass ich mehr als die Hälfte der Strecke in meinem Kopf ausgeblendet hatte, einfach vergessen…entsprechend groß war meine Begeisterung, als ich dies realisierte. Der Gedanke an die Worte meines Bruders ließen mich über diesen Fauxpas schmunzeln.

Am Ende dieser schönen Allee waren wir endlich in Riesenbeck, noch zwei kleine Wellen und dann bin ich zuhause. Wahnsinn. Und dann kamen zwei wunderschöne Momente. Zunächst fuhr vor mir eine Kutsche, eine Pferdekutsche wahnsinnig toll. Der zweite Moment war, als ich bei Sonnenuntergang über die Brücke des Dortmund-Ems-Kanals gefahren bin, von hier aus ist es nicht mehr weit und vor lauter Freude darüber, dass ich es in zwei Tagen von Frankfurt nach Hörstel geschafft habe lies mich lächeln und tatsächlich ein paar Freudentränen kullern.

 

Nur noch am Ortsschild hielten wir kurz an, um das Bild zu machen, von dem ich seit Wochen träumte. Nach dem Blick auf den Tacho kam kurz der Gedanke auf noch eine kleine Schleife dran zu hängen, denn 5 Kilometer weiter und die 200er Marke wäre gefallen. Ich entschied mich nach kurzem Überlegen dagegen, man muss ja nicht alle Ziele an einem Wochenende reißen und sich Herausforderungen für die Zukunft lassen.

Schwubbs ging es also weiter. Nur nicht noch mehr Zeit verlieren und 5 Minuten später fuhr ich um 20:15 nach 195 Kilometern durch unsere Hofeinfahrt. Meine Eltern rechneten noch gar nicht mit uns, da ich mittags noch sagte, dass es wohl sehr wahrscheinlich auf drei Tage hinauslaufen wird.
Der tosende Empfang mit Konfetti, Sekt und Medaillenübergabe blieb somit aus und meine Mama war total überrascht, als wir plötzlich vor der Tür standen „wir haben noch gar nicht mit Euch gerechnet, also Lünni ist jetzt Fußball gucken gegangen. Warte ich rufe ihn mal schnell an, setzt Euch, ich mache Euch einen Kaffee. Wollt ihr was essen.“ Fragen über Fragen und dazwischen ein total überdrehter Hund, der mich mit Helm und Brille erst gar nicht erkannt hatte.

Das war sie also, die Fahrt meines Lebens, von der ich lange träumte, die in vielen Momenten nicht so lief, wie sie geplant war aber unvergesslich toll war. 340 Kilometer in zwei Tagen. Wahnsinn, wer hätte das gedacht.

 

Zurück ging es mit dem Auto, dies hatte ich bereits an Ostern da stehen gelassen, da mir erstmal die Fahrt in eine Richtung reicht. Vielleicht fahre ich irgendwann auch mal wieder nach Frankfurt zurück. Irgendwann.

Und irgendwann werde ich mit dem Rad an der Nordsee stehen und meine Füße ins Meer stecken. Irgendwann. Ihr werdet es mitbekommen