Tour de Hörstel

erstmal in´s Sauerland.....

Samstagmorgen 28. April 2018 7:30 Uhr, der Wecker klingelt und es heißt raus aus den Federn und rein in die Radkleidung, denn es ist so weit, die große Reise geht heute los. Gefrühstückt wurde groß und viel.

Ein riesen Brötchen mit Marmelade und eins mit Nutella, dazu ein Cappuccino und Saft. Nach dem Frühstück wurde nochmal gecheckt, ob auch alles was man braucht im Rucksack ist. Wichtig war hier, dass es tatsächlich nur das nötigste ist, denn so ein Rucksack wird auf Dauer verdammt schwer. Aber was braucht man denn eigentlich überhaupt für ca. 3 Tage auf dem Rad?


Ich habe folgende Dinge eingepackt:
- ein weiteres Radoutfit (Hose und Oberteil, plus Unterhemd)
- Zahnbürste, Zahnpasta, ein Duschgel und die Assos creme
- Socken und Unterwäsche
- Haarbürste
- eine Jeans, ein T-Shirt, Socken , einen Pullover und ein paar Turnschuhe
- Armlinge, Beinlinge und Windjacke
- Ausweis, Krankenkassenkarte und Ladekabel
- Gels und Riegel

 

Ein letzter Check: das Garmin ist vollgeladen, das Handy auch, die Flaschen sind mit Wasser gefüllt, ein wenig Bargeld für die Stopps unterwegs ist auch eingepackt.

Der erste Halt war der Reichspostbitter Shop in Bad Homburg, denn ohne Mitbringsel kann man ja nicht zuhause ankommen und so hat noch eine Flasche Taunusbenzin den Weg in den Rucksack gefunden.

Bis Friedberg war der Weg klar und gewohnt, in Gießen wurde die erste kurze Pause gemacht. Voller Euphorie ging es weiter und plötzlich standen wir mit den Rennrädern im Wald, irgendwo nach der Burg Gleiberg zwischen Krofdorf-Gleiberg und Krumbach. Eine wunderschöne Strecke, auf der man ganz allein war und hin und wieder Adler über sich fliegen hatte – Wahnsinn, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Weg war mit Schotter bedeckt und man musste schon ein wenig aufpassen mit dem losen Untergrund, dann ging es auch tatsächlich noch einen Berg hinunter, im Wald, auf Schotterboden, wie gesagt, mit dem Rennrad. Na das war vielleicht ein Erlebnis.

 

Ein paar Kilometer weiter ging es steil Berghoch und ich wunderte mich bereits, wieso es so schwer ging…da hatte ich vor lauter Ablenkung vergessen vorne auf das kleine Kettenblatt zu schalten. Mit entsprechend für kurze Zeit müden Beinen ging es weiter Berg hoch. Und da standen wir dann in Altenvers, das Navi sagte die Strecke geht weiter geradeaus, der Weg sagte das allerdings nicht. Es war eine steile Steigung, ein typischer Waldweg mit viel Erdboden, der selbst mit einem Mountainbike sehr schwer zu meistern gewesen wäre. Es blieb nur außen drum herum zu fahren und die Ansagen und Bitten des Garmins, doch bitte wieder umzudrehen und zur eigentlich Route zurück zu kehren zu ignorieren.

 

So ging es dann von Altenvers weiter über Etzelmühle & Lohra nach Gladenbach. In Gladenbach stand im Übrigen ein Schild, dass bald ein Mc Donalds kommen sollte. Man kann über Mc Donalds denken, was man möchte, den Kaffee dort finde ich persönlich echt gut. Ich freute mich also über die Pause, welche ich zumindest zu dem Zeitpunkt dachte zum Greifen nah sei. Pustekuchen, das war sie nämlich nicht.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht ahnen, dass es noch eine Stunde Fahrt mit dem Rad bis dahin waren und das überwiegend Berg auf.

Mir persönlich liegt ja ehr das Flache und für die vielen Höhenmeter habe ich tatsächlich nicht die besten Voraussetzungen, denn für eine gute Bergfahrerin habe ich ein paar Kilos zu viel an mir und dann war da ja noch die Sache mit dem Rucksack ;o)

 

Auf dem Weg zu dem verdienten Kaffee und ein wenig Essen hatte ich jedenfalls meinen ersten von zwei Tiefpunkten, denn diese Höhenmeter mit dem Rucksack haben mich echt gefordert. Bis zum heutigen Tage war meine weiteste jemals gefahrene Strecke 111 Kilometer, die erste Etappe war aber mit 160 Kilometern angedacht. Nach dem letzten Berg kullerten dann ein paar Tränen, zum einen vor Wut, zum anderen, weil ich zeitlich hinten dran war und das Ziel Winterberg noch an diesem Tag zu schaffen rückte immer weiter in die Ferne und damit auch mein persönliches Ziel, die 350 Kilometer in zwei anstatt drei Tagen zu schaffen.

In Biedenkopf war es dann endlich so weit, ich bekam meinen Kaffee und ein paar Pommes. Hier konnte ich auch das Garmin und mein Handy nochmal laden.

Die Navigation vom Garmin habe ich schon lange ausgeschaltet bzw. ignoriert und bin zu der ursprünglichen Art der Navigation übergegangen: ich habe nach dem Weg gefragt, bzw. es wurde gefragt, ob man uns helfen könne und ich sagte, dass wir nach Winterberg wollen und grade nicht so genau wissen, wie es weiter geht. Die Reaktion war ein sehr verwunderter Blick mit der Aussage „OH nach Winterberg?! Joa, also parallel zur Bundesstraße gibt es einen Weg, da vorne im Kreisverkehr links und dann am Ende der Straße Rechts…“

 

Als es dann weiter Berg auf ging war ziemlich schnell klar, dass das Ziel des ersten Tages (Winterberg) nicht erreicht werden kann. Trotzdem war es eine tolle Strecke über eine sehr leere Landstraße durch den Wald, mit kleinen Ortschaften in dieser Gegend wurde übrigens auch die Hessische Meisterschaft der Männer U23 (UCI Straße) ausgetragen bzw. das Bergzeitfahren. Meine Begeisterung über diese Information hielt sich in Grenzen, wie Ihr Euch denken könnt.

Nach dem Anstieg ging es auf die Suche nach einem Hotel in der Nähe.
Das mit der Nähe ist in der Gegend so eine Sache…da gibt es nämlich nicht so viel. Das erste Hotel, welches angesteuert wurde lag natürlich, wie sollte es auch anders sein, auf einem Hügel.


Das Hotel sah im Internet wirklich toll aus, allerdings in echt von weitem schon ein wenig gruselig und je näher man kam, desto gruseliger wurde es. Ein Landhotel mitten im Nichts und es war alles dunkel und wirkte verlassen, nur zwei Autos standen davor. Keine Ahnung, ob die geschlossen hatten, aber es sah aus, wie in einem Gruselfilm, da sind wir lieber schnell weiter gefahren.

Vorbei an Bächern und Wiesen, ein kurzer Halt an einer Galloway Herde mit kleinen Kälbern, ein Stück weiter ganz viele Schafe und dann ging es wieder hoch. Zum letzten Mal für heute, zum nächsten Hotel unserer Wahl, dem Hotel Sauerländer Hof in Hallenberg. Die Wahl fiel ziemlich schnell, denn es war das nächste Hotel in der Nähe.

 

15,5 Kilometer vor dem eigentlichen Tagesziel war nach 145 Kilometern mit 1790 Höhenmetern um 18:30 Uhr Schluss für den ersten Tag. Duschen, Essen und ab ins Bett.

...Fortsetzung bzw. Teil II folgt