Marieke meets Rachel

Ein absolutes Highlight für Marieke war das Treffen mit der Ausnahmeathletin Rachel Klamer in Kraichgau. Über Olympia, Motivation und Rookie-Tipps.

 

Kaum aus dem Urlaub daheim checkte ich erst mal mein Postfach und traute meinen Augen kaum: Da war doch tatsächlich eine Nachricht von einer bestimmten quirligen Niederländerin, ich dachte das kann doch nicht sein, da will sich doch tatsächlich die Ausnahmeathletin Rachel Klamer mit mir zum Interview treffen. Völlig aus dem Häuschen fuhr ich am nächsten Tag zum Bundesligarennen in Kraichgau. (An alle Triathlonbegeisterten: Zuschauen lohnt sich dort besonders!)

 

Nun aber genug von mir, das kommt dabei rum wenn man sich mit einem Triathlonass auf der Kurzdistanz unterhält:

 

In der Bundesliga startet Rachel für das Ejot Team Buschhütten zum einen wegen ihrem Freund dem Weltklasseathlet Richard Murray, der auch im Team ist, und wegen der guten Organisation und Unterstützung. Der Teamchef kümmert sich um die komplette Reise und die Organisation vor Ort. Aber wie wählt Ejot aus ihrem großen Kader die Besetzung für die Rennen aus? Rachel sendet ihre Saisonplanung frühzeitig an den Teamkoordinator und auch ihre Wüsche welche Rennen für sie besonders in Frage kommen. Für sie gehören die Bundesliga zu ihren Favoriten und sie liebt es in Deutschland zu starten. Nicht nur wegen der schönen Landschaft und den alten Gebäuden, sondern auch durch die bei weitem entspanntere Atmosphere als bei den ITU-Rennen.

 

„In the Bundesliga you are racing with each other but still against each other. It is just not as strict as ITU Races. For me: a special treat:“

 

Dieses Jahr hat man sie bis jetzt selten bei ITU-Rennen gesehen, warum? Sie möchte einfach Spaß daran habe Triathlon zu betreiben, deswegen experimentiert sie mit verschiedenen Distanzen, wie bei der Halbdistanz in Samorin, und war sogar bei einem XTERRA dieses Jahr am Start.

 

Ihre erste Halbdistanz

Trotz einer sehr kurzen spezifischen Vorbereitung von 2 Wochen auf die Challenge Samorin, konnte sie für sich den Ausflug in den Halbdistanz-Zirkus als gelungen bezeichnen. Das Radfahren war eine besondere Hürde, denn sie hatte anfangs wie jeder Anfänger auf dem TT-Bike ordentlich die Hose voll. Im Gegensatz zur Kurzdistanz ging es sehr taktisch zu, denn das Kräfte einteilen war sie sonst von den WTS-Rennen nicht gewöhnt. Mich interessierte natürlich brennend was sich trainingsmäßig für das Rennen bei ihr geändert hat: Um für die volle Zeit des Rennens gut performen zu können, baute sie mehr lange aber dafür langsame Einheiten ein. Im Laufen strich sie somit das schnelle Tempotraining auf der Bahn und lief stattdessen lange Steigerungsläufe. Man wird das kleine Energiebündel bestimmt mal wieder auf dieser Distanz gas geben sehen, also haltet die Augen offen!

About Challenge Samorin: „You hold yourself always back during the race thats the main difference to short distance racing. When I got on the bike I thought ‘Wow is that slow!’“


Nach den Olympischen Spielen in Rio fiel der ganze Stress und Druck von ihr ab und sie nahm auch Änderungen für ihre Saison und das Training vor. In Rio lief sie nach einem durchwachsenem Rennen ins Ziel und das Erste was sie zu ihren Eltern sagte war: In Tokyo 2020 will ich starten und zeigen was ich wirklich drauf habe. Dieses Jahr ist das Grand Final des Worldcups in den Niederlanden und natürlich will sie vor heimischen Publikum besonders gut abliefern.

In Tokyo wird es nun auch erstmalig das Format Team Mixed Relay (ein Teamwettkampf der Nationen bei dem je 2 Herren und Damen nacheinander einen Supersprint bestreiten.) bei Olympia geben. Die Begeisterung für ein weiteres Triathlonevent war bei vielen Profis hoch, jedoch nicht bei Rachel: Sorry ITU! Natürlich für die Zuschauer ist es immer ein Spektakel der extra Klasse, dennoch bekommen viele Nationen gar keine Mannschaft zustande. Außerdem hat Rachel angst, dass wegen der begrenzten Zeit die Olympische Distanz auf einen Sprint gekürzt wird. Für sie repräsentiert ein Sprint nicht die wahre Leistung eines Triathleten, denn auch wenn sie nicht 100% in Form ist, kann sie auf einer Sprintdistanz ein gutes Ergebnis erzielen. Auf der olympischen Distanz würde sie klanglos beim Laufen eingehen.

Mit Richard Murray dem Mann an ihrer Seite, ist Triathlon der Mittelpunkt ihrer beider Leben. Das kann manchmal ganz schön langweilig sein, denn sie trainieren fast täglich zusammen und somit können sie sich abends nicht einfach erzählen wie ihr Tag lief oder was sie besonderes erlebt haben. Aber auf der anderen Seite kennen sie den anderen dafür umso besser und wissen was er gerade braucht oder verstehen es was es heißt 100% jeden Tag zu geben. Für andere Aktivitäten bleibt keine Zeit und richtigen Urlaub gibt es einmal im Jahr in der Offseason, welche aber auch nur 2 bis 3 Wochen geht. Man muss wirklich brenne für seine Leidenschaft!

Für die Rookies unter euch hat Rachel noch einen kleinen Tipp:
Genießt jede Sekunde egal ob im Rennen oder während der Vorbereitung. Sucht euch eine spaßige Truppe und motiviert euch. Wenn euch mal nicht nach trainieren ist, dann macht was anderes, seid nicht zu streng mit euch. Das wichtigste ist, dass ihr einfach Spaß habt euch zu Bewegen!

Es war mir eine besondere Ehre die aufgedrehte und nette Rachel mal live und in 3D kennenzulernen!

Nun lasst es krachen und auf bald,
eure rasende Reporterin von Racing Aloha,

Marieke