Marieke meets michelle

Durch die Location ihres Trainingslagers ins Cannes in Südfrankreich bot sich Marieke die Chance beim Cannes International Triathlon mit den Triathlonprofis in Kontakt zu treten. Besonders gefreut hat sie sich über die Zusage von Michelle Vesterby zu einem Interview gefreut. 

WIE ALLES BEGANN

Bis zur Highschool war Michelle Schwimmerin, wovon sie immer noch profitiert. Jedoch traten für sie in der Highschool andere Dinge in den Vordergrund und sie legte den Sport für mehrere Jahre auf Eis. Sie ging auf ausgedehnte Party-Urlaube nach Lloret und war auch sonst häufig in Diskos anzutreffen. Als sie dann ihren späteren Ehemann kennenlernte, welcher Triathlet war, wurde sie Triathletin und stieg direkt als Profi ein. Erst war sie auf den kürzeren Distanzen zu finden. Dort fühlte sie sich aber nicht wie eine professionelle Athletin, ihr fehlte die Leidenschaft, die für sie unbedingt dazu gehört. Erst als sie 2012 auf die Langdistanz wechselte, wurde sie selbstbewusster und vor allem auch entspannter – sie hatte für sich selbst das Richtige gefunden.

 

TRAINING UND FREIZEIT

Im Schnitt trainiert Michelle 30–35 Stunden pro Woche, dazu kommen noch Massagen und Sponsorenarbeit. Trainieren tut sie nach Plan. Am liebsten trainiert sie mit anderen, jedoch ist es schwierig für sie, Mädels auf ihrem Niveau zu finden. Deswegen ist es nicht untypisch, dass sie mit Jungs trainiert. Für sie beginnt das neue Jahr nach Hawaii und endet mit Hawaii – ein immer wiederkehrender Zyklus. Das Wichtigste ist aber die Zeit dazwischen, die muss optimal genutzt werden, um das beste Ergebnis zu erzielen. Am Anfang des Jahres nimmt sie sich aber immer gern Zeit für ihre Liebsten und Sponsoren, das heißt aber nicht, dass sie in dieser Zeit ihr Training vernachlässigt. Man muss immer 100 Prozent bei der Sache sein, um gegen die starke Konkurrenz zu bestehen. Natürlich ist es für ihren Mann, die Familie und Freunde nicht einfach, denn meist ist sie viel unterwegs oder durch ihr hohes Trainingsaufkommen nicht verfügbar. Deswegen ist es umso wichtiger für sie, dass ihr Umfeld Bescheid weiß. Denn dann wissen sie, wann sie Zeit für Familie und Co. hat. Für diese Geduld wird sie sich nach ihrem Karriereende revanchieren. Unser Leitspruch bei Racing Aloha ist “Aus dem Weg, wir müssen tanzen“ – kann man sich als Profi das auch mal erlauben? Und ob! Michelle verlässt grundsätzlich immer als die Letzte die Afterrace-Partys. Beim Tanzen und Stimmung machen, macht ihr so schnell keiner was vor. Auch unter Profis ist sie dafür bekannt. Für sie gilt: “Friends come before competition“.

 

SPONSORENARBEIT UND GESCHLECHTERROLLEN

Triathlonprofi ist ein Vollzeitjob. Sie hat keinen Manager, sondern konferiert mit Sponsoren selbst und ist dabei sehr erfolgreich. Um das neuste Material zu bekommen, muss man immer auch selbst einen Input bringen, weswegen sie gerade in der Off-Season ihre Sponsoren besucht und in engem Kontakt steht. Damals, als sie noch nicht die Erfolge gehabt hatte, um die dicken Fische zu angeln, hatte sie trotzdem schon viele gute Sponsoren. Warum? Ganz einfach, sie hat sich als Person und als Marke platziert. Wenige ziehen das so konsequent durch wie sie. Jedoch findet sie, dass ihre männlichen Kollegen mehr Chancen auf dem Sponsorenmarkt haben und die großen Verträge meist an sie gehen. Gäbe es bei einem Rennen, wo sie teilnimmt, einen Unterschied bei der Preisgeldverteilung zwischen Männern und Frauen, würde sie sich auf jeden Fall beschweren. Unterschiede sieht sie nur bei den Antrittsgeldern. Hier wird den Männern oftmals einiges mehr gezahlt. Doch seit die Zahl der weiblichen Profis steigt, wird die Lücke zwischen Männern und Frauen immer kleiner.

Unter ihrem Motto “Keep smiling“ möchte sie, wie wir von Racing Aloha auch, mehr Gelassenheit in den Sport bringen – und auch andere Frauen motivieren. Diesen Winter erscheint dazu auch ein Buch von ihr: ein Triathlonguide für Frauen. Zunächst auf Dänisch, wobei auch eine englische Version in Arbeit ist. Wir sind gespannt und drücken Michelle weiterhin die Daumen. Übrigens, ihr Top-Ziel dieses Jahr ist das Podium beim Ironman Hawaii. Also, haltet die Augen offen!

 

Bis dahin, over and out,

Marieke